Irrtum bei Bergung der Costa Concordia – falsches Schiff gedreht

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Giovanni Al Dente, der Besitzer der Luxusyacht „180°“ traute seinen Augen nicht, als er morgens auf seiner Yacht aus dem Tiefschlaf erwachte und an Deck ging. Statt eines schönen Ausblickes sah er nur zwei Dinge: Wasser und Fische. Als er bemerkte, dass er auch nicht atmen konnte, schwamm er an die Wasseroberfläche.

Doch was war passiert? Al Dente verbrachte ein ruhiges Wochenende auf der 180° und verlängerte dieses über den Montag hinaus. Ab Montag früh sollte jedoch ganz in der Nähe die Costa Concordia nach über 20 Monaten wieder in die Aufrechte gedreht werden.

Bei der Unterweisung der für die Drehung zuständigen Arbeiter (genannt die „Magic 11″, die Besatzung des Kontrollschiffes bei der Bergung) wurde jedoch ein fataler Fehler begangen. „Die Position der Costa Concordia wurde uns nur grob übermittelt. Sie sei nicht zu übersehen, war die Begründung für die nur grobe Lokalisierung.“ Dass sich gleichzeitig in der Nähe ein anderes Schiff befand, hätte man ja nicht ahnen können.

Pier Luigi Foschi, Präsident der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Cruises, wörtlich: „Dies ist ein mahnendes Beispiel für alle, die meinen, dass Staat und Privatsektor zusammenarbeiten können. Zu allem Überfluss wurde nach der Bergung der echten Costa Concordia bemerkt, dass die Tresorräume leergeräumt waren!“. Einem unabhängigen, privaten Gutachter zu Folge geschah dies aber schon direkt nach der Katastrophe vor 20 Monaten. „Jetzt“, so Foschi, „haben wir es mit einer echten Katastrophe zu tun.“

Die 180° am Tag vor der Drehung

Die 180° am Tag vor der Drehung

Die Erklärung, warum der Irrtum nicht vor der Drehung des falschen Schiffes bemerkt wurde, ist so simpel wie traurig:
An der Concordia wurde eine Markierung angebracht, bis wohin gedreht werden solle. Die große Aufschrift „180°“ an der Seite des entdeckten Schiffes verwirrte daher niemanden. „Ursprünglich hieß es, das Schiff solle nur um 65° gedreht werden. Da wir aber gelernt haben, nicht nachzufragen, sondern den Anweisungen zu folgen, haben wir genau das getan und das Schiff um 180° gedreht.“

Franco Gabrielli, der Einsatzleiter, erklärte den Fauxpas mit einfacheren Worten: „Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Stück Fleisch in der Pfanne. Sie drehen sich um, um den Pfannenwender zu holen. Als Sie wieder bei der Pfanne sind, sind plötzlich zwei Fleisch drin und sie wissen nicht mehr, welches gewendet werden sollte.“

Dass das fälschlicherweise gedrehte Schiff ausgerechnet „180°“ hieß und daher auch genau so weit gedreht wurde, sei ein unglücklicher Zufall, so Gabrielli, der von Bürgermeister Giglios Sergio Ortelli sofort bestätigt wurde.

Die Entschuldigungen von staatlicher und privater Seite bringen Al Dente allerdings nichts: Als der Wiedergutmachungs-Auftrag, die Drehung der „180°“ um 180°, ausgeführt werden sollte, wurde versehentlich die echte Costa Concordia gedreht.

dan, Foto oben: European Commission DG ECHO, CC BY_ND 2.0 Foto rechts: R HM, CC BY-SA 2.0